
Aikido: Tohei vs. Saito
In der Welt des Aikido gibt es kaum zwei Lehrer, deren methodische Ansätze so gegensätzlich und doch so tief im Erbe des Gründers Morihei Ueshiba verwurzelt sind wie Koichi Tohei (Gründer des Ki-Aikido) und Morihiro Saito (Bewahrer des Iwama-Stils). Besonders deutlich wird dies bei der Arbeit mit dem Jo (Holzstab) und spezifischen Techniken wie Hasso gaeshi.
1. Hasso gaeshi: Definition und Mechanik
Hasso gaeshi bezeichnet eine kreisförmige Bewegung, bei der der Jo von einer vorderen Position (meist nach einem Stoß) über den Kopf oder die Seite in die Hasso-no-kamae (Schulter-Bereitschaftshaltung) zurückgeführt wird.
Der Iwama-Stil (Saito Sensei)
Morihiro Saito systematisierte die Arbeit mit dem Jo in den 20 Jo Suburi. Hasso gaeshi bildet hier eine eigene Kategorie (Nr. 14–18).
- Präzision: Die Bewegung ist klar unterteilt. Der Jo schützt den Körper während der Rotation und endet in einer stabilen, kampfbereiten Position.
- Anwendung: In den Partnerübungen (Kumijo), insbesondere im 10. Kumijo, wird Hasso gaeshi als direkter Konter eingesetzt.
Der Ki-Aikido-Stil (Tohei Sensei)
Tohei Sensei integrierte ähnliche Bewegungen in seine 22 Jo Kata. Er lehrte den Fokus auf den Energiefluss.
- Fluss (Ki-no-nagare): Tohei betrachtete die Bewegung als Teil einer kontinuierlichen Hachi-no-ji (Achter-Bewegung).
- Zentrierung: Das Ziel ist die Aufrechterhaltung der eigenen Entspannung und des „Ki-Flusses“. Der Jo bleibt ständig in Bewegung.
2. Die Übungsformen: Kumijo vs. Jo-nage
| Bereich | Morihiro Saito (Iwama) | Koichi Tohei (Ki-Aikido) |
|---|---|---|
| Partnerformen | 10 Kumijo: Streng festgelegte Abfolgen Stab gegen Stab. | Jo-nage / Jo-dori: Fokus auf das Werfen des Partners. |
| Lernziel | Kampfdistanz (Ma-ai) und Timing (De-ai). | Koordination von Geist und Körper. |
| Rhythmus | Fokus auf den Moment des Aufpralls (Kime). | Konstanter, wellenartiger Rhythmus. |
3. Philosophische Hintergründe
Tohei Sensei betonte oft, dass der Jo eine Verlängerung der Arme sei. Er lehrte, dass man den Jo nicht „halten“, sondern ihn „begleiten“ solle. Seine Übungen dienten dazu, die vier Grundregeln zur Koordination von Geist und Körper zu testen.
Saito Sensei hingegen sah im Jo-training das Fundament für die Körpertechniken (Tai-jutsu). Für ihn war die exakte Geometrie der Waffenarbeit der Schlüssel zum Verständnis der Hebelgesetze im Aikido.